Baustoff Kalk

Baustoff Kalk: Alles andere als verkalkt

Gebrannter Kalk bestimmt seit der Antike als effektives und bewährtes Baumaterial unsere Geschichte. Erst seit dem 19. Jh. wurde Kalk nach und nach als Bindemittel für Mörtel und Putz und vor allem im 20. Jh. als Bindemittel für Farben verdrängt. Die Hauptrolle spielten nun Zement, Gips und Kunstharz. Neben kurzfristigen ökonomischen Vorteilen war und ist dies mit erheblichen Nachteilen verbunden, die immer mehr in unser Bewusstsein rücken.

Mit der Wiederbelebung historischer Gebäude für private Wohnzwecke seit den 1970er Jahren begann die Suche nach geeigneten historischen Baustoffen. Kalkfarben, die zumeist aus jahrelang eingesumpftem Brandkalk hergestellt wurden, sind jedoch für die heutige Anwendung leider wenig geeignet: Nur in zahlreichen hauchdünnen Schichten aufwendig aufzutragen, sind sie zudem durch die Umwelteinflüsse im Außenbereich wegen ihrer begrenzten Festigkeit kaum noch anwendbar.

Seit den 1990er Jahren bringen immer mehr Hersteller Kalkfarben auf den Markt. Diese sind zumeist mit organischen und oft auch künstlichen Bindemitteln modifiziert, da die Festigkeit herkömmlicher Kalke mit den gängigen Produktionsverfahren nicht ausreichend ist. Hieraus ergibt sich eine deutliche Reduzierung der Dampfdiffusionsfähigkeit und die beständige Gefahr von Befall mit schädlichen Mikroorganismen.